Ignaz Reimannn - Biographie

Quelle:www.kirchenmusikv-uaegeri.ch

Er wurde geboren 1820 in Albendorf (Schlesien), verstarb 1885 in Rengersdorf (Schlesien). Ignaz Reimanns Geburtsort liegt am Fuße des Heuscheuergebirges in der ehemaligen Grafschaft Glatz nahe an der heutigen polnisch-tschechischen Grenze. Sein Vater betrieb in diesem Ort eine Gaststätte, in der er auch selbst zum Tanz aufspielte. Auch in der örtlichen "Kirchenmusiker-Foundation" war Reimann senior vertreten. Dieses Umfeld förderte die außergewöhnlichen musikalischen Talente des jungen Ignaz. Schon mit acht Jahren unterstützte er den Vater bei der Tanzmusik und schrieb hierfür auch selbst fleissig Stücke. Seinen ersten Unterricht - außerhalb des Elternhauses - erhielt er bei Florian Nentwig, der seinerseits Chorleiter und Organist an der Wallfahrtskirche in Albendorf war und angehende Lehrer auf ihre Tätigkeit vorbereitete. Mit zehn Jahren konnte Ignaz seinen Lehrer an der Orgel vertreten, und mit zwölf soll er alle Instrumente des Kirchenorchesters beherrscht haben.
Reimann sollte den Lehrerberuf ergreifen. Durch Nentwig vorbereitet, trat er eine Stelle als "Adjutant", als Lehrergehilfe im schlesischen Oltaschin an, um nach kurzer Zeit im Alter von 18 Jahren das Lehrerseminar in Breslau zu beziehen. Dort vervollständigte er seine musikalische Bildung bei Karl Schnabel. Dieser war ein Neffe Josef Ignaz Schnabels (1767 - 1831), des zu seiner Zeit weithin berühmten Breslauer Domkapellmeisters, Universitätsmusikdirektors und Leiters des Institutes für Kirchenmusik, der mit seinem kirchenmusikalischen Schaffen die sog. "Breslauer Schule" begründet hat. Die Tradition der Breslauer Schule blieb in Schlesien bis gegen Ende des 2. Weltkrieges lebendig. Auch Reimanns musikalisches Schaffen war fest in dieser Tradition verwurzelt.
1842 kam er als Lehrergehilfe nach Niederhannsdorf zu dem hochmusikalischen Kantor und Schulmeister Klesse, und drei Jahre später nach Rengersdorf zu dem gleichbedeutenden Seidelmann. Nach dessen Tod im Jahr 1852 wurde er Seidelmanns Nachfolger als Schulleiter und Kantor. Damit begann für Reimann eine musikalisch ausserordentlich fruchtbare Schaffensperiode. Als Dorfkantor mit viel praktischer Erfahrung war er vertraut mit der Leistungsfähigkeit der Landkirchenchöre. Mit aussergewöhnlichem Fleiss und beispielloser Schnelligkeit komponierte er speziell für diese Laienmusiker vermutlich über 800 Werke, die meisten davon kirchlich. 1885 zwang ihn ein Gehörleiden zur Aufgabe seiner Tätigkeit. Drei Tage nach der herzlichen und bewegenden Abschiedsfeier verstarb er am 17. Juni 1885 an einem Herzschlag. Er wurde in Rengersdorf bestattet. Seine Grabplatte ist im Kreuzgang der Rengersdorfer Pfarrkirche erhalten geblieben.


Kompositionen
Reimann war von großer Bedeutung für die im wesentlichen von Laien gepflegte kirchenmusikalische Praxis vor allem in Schlesien, aber auch im habsburgischen Österreich (Böhmen) und im katholischen Deutschland. Sein Pech war, dass er, anders als z. B. Schubert, keinerlei Rolle im Konzertsaal spielte und die technischen Ansprüche an die Aufführenden auch nur geringe Anreize für professionelle Musiker bot. Dementsprechend war er für die etablierte Musikwissenschaft ein gutes Jahrhundert ziemlich uninteressant und es gab auch keine oder nur vereinzelte Ansätze, die Werke Reimanns systematisch zu sammeln. In diesem Zusammenhang wirkte es sich fatal aus, dass Reimann keine Partituren schrieb, sondern nur Einzelstimmen, die er selbst auch offenbar bereitwillig weggab oder auslieh, und die auch nur bruchstückhaft publiziert wurden. Die Folge davon ist, dass der größte Teil der Werke Reimanns trotz ihrer hohen Wertschätzung bis gegen Ende des Zweiten Weltkrieges heute verschollen oder sogar verloren ist. Sogar von einem völlig lückenhaften Opus-Verzeichnis, das offensichtlich einmal existiert haben muss, fehlt jede Spur. Um so höher sind die Bemühungen einiger Enthusiasten einzuschätzen, die vorhandenen Reste zusammenzutragen. So beträgt das von Richard Scherer-Hall begonnene Ignaz Reimann-Verzeichnis (IRV) mittlerweile ca. 200 Werknummern, darunter 74 Messen. Die Pastoralmesse in C, op. 110 (IRV 2) ist darunter wohl die bekannteste. Sie war, zumindest bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, in Schlesien ebenso verbreitet, wie die Pastoralmesse in G von Karl Kempter in Bayern und Schwaben. Aufgrund ihrer traditionell bevorzugten Aufführung während der Christmette erhielt sie den Beinamen „Christkindlmesse“ (eigentlich schlesisch „Christkendlamesse“).